Kant: AA XIX, Erläuterungen zu A. G. Baumgartens ... , Seite 236

     
           
 

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  01 Was nach der Idee der gemeinschaftlichen Willkühr nothwendig ist,      
  02 d. i. a priori nothwendig und also auch erlaubt. Nun ist der Zwang desjenigen,      
  03 was durch die allgemeine willkühr nothwendig ist, keiner Willkühr      
  04 entgegen und also erlaubt. Die besondere Befugnis zu zwingen ist durch      
  05 die idee der Gemeinschaftlichen Willkühr ertheilt. Denn ein besonderer      
  06 Wille giebt keine Befugnis, weil er anderer Willen wiederstreiten kan.      
           
   

 

7053.   υ.   Pr 42.
 
     
  08 Alle Verbindlichkeit (g gegen uns selbst und gegen andere ) ist innerlich      
  09 oder äußerlich; beyde ist vollkommen oder unvollkomen (so fern sie den      
  10 wesentlichen oder außerwesentlichen moralischen Gesetzen gemäß ist). Die      
  11 vollkomen äußeren sind juridisch, alle unvollkommenen Ethisch.      
           
   

 

7054.   υ.   Pr 42.
 
     
  13 Die practische Gesetze aus der bloßen Idee der freyheit sind moralisch.      
           
  14 Die aus der Idee der innern freyheit gehen auf alle Handlungen und      
  15 sind ethisch; die blos aus der Idee der äußeren freyheit sind moralisch juridisch      
  16 und gehen blos auf äußere Handlungen.      
           
   

 

7055.   υ.   Pr 42.
 
     
  18 Das Princip der moral kan weder aus dem unmittelbaren Vergnügen      
  19 an der Handlung, so fern dasselbe auch zu meiner Glükseeligkeit Gehört,      
  20 noch aus dem Vergnügen an den Wirkungen (g aufs Subject ), wovon die      
  21 Handlungen die Ursache sind, abgeleitet werden.      
           
   

 

7056.   υ.   Pr 43.
 
     
  23 Alle Verbindlichkeiten sind entweder äußerlich oder innerlich. Iene      
  24 necessitiren per arbitrium alterius, diese independenter ab arbitrio alterius.      
  25      
           
  26 Der Bewegungsgrund zu , der Verbindlichkeit zu satisfaciren (subjective      
  27 necessitans), ist entweder äußerlich (Zwang) oder innerlich (Pflicht).      
  28 Die erstere iuridisch, die zweyte ethisch; also geht die ethic auf alle Verbindlichkeit,      
  29 aber nur aus dem Bewegungsgrunde der Pflicht. Das Recht      
  30 aber auf äßere Zwangsverbindlichkeit. Moralische Gesetze sind die, welche      
  31 Verbindlichkeiten aus Pflicht enthalten.      
           
     

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