Kant: AA XIX, Erläuterungen zu A. G. Baumgartens ... , Seite 264

     
           
 

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  01 es ist besonders, daß, ob man gleich erkennt, man sey zum reinen      
  02 Guten unvermögend, man sich doch die Ermanglung dessen reprochirt.      
  03 Das macht: man zieht dieses Unvermögen nicht aus unmittelbarem Bewustseyn;      
  04 denn da findet man das Gegentheil, daß alles dieses blos auf      
  05 unser Belieben ankomme; sondern man schließt aus unsrer Erfahrung an      
  06 uns selbst; daraus sieht man also nur, daß unser wille so böse sey, daß er      
  07 auch nicht recht gut werden könne. Aber eben darum ist er desto sträflicher.      
  08 Die Entschuldigung wegen der triebe müssen wir uns nicht erlauben, wir      
  09 sind frey. Gott hat uns nicht entdekt, wie er die Menschliche Natur richte,      
  10 und wir dörfen nicht so frevelhaft seyn, seinem Urtheile vorzugreifen.      
           
   

 

7174.   υ?   Pr 113.
 
     
  12 Ein Gütiger Richter ist contradictio in adiecto.      
           
  13 Das heilige Gesetz. Die Gütige Vorsorge. Das gerechte Gericht.      
           
   

 

7175.   υ?   Pr 112.   Zu § 168, 169:
 
     
  15 Ein Gut Gemüth, ein gut Herz, ein guter Charakter (g Denkungsart ).      
           
  16 Gemüth und Herz kommen blos auf die Triebe an, die moralisch seyn.      
  17 Gemüth besteht blos darin, wie man gute Eindrüke aufnimmt: Niederträchtig,      
  18 Undankbar, ungefällig. Herz auf die thätige Bewegungen des Gemüths:      
  19 Gastfrey, mildthätig. Character besteht in Grundsätzen: schlechter,      
  20 ohne, Character. Das Gemüth ist boshaft, das Herz böse, der Character      
  21 schlimm oder schlecht.      
           
   

 

7176.   φ.   Pr 112.   In § 168:
 
     
  23 Wir müssen die Gesetze nicht nach der infirmitate humana denken.      
  24 und den Verbrecher nicht nach der fragilitate beurtheilen. Wohl aber nach      
  25 der ersteren von Menschen was erwarten und nach der letzteren richten.      
  26 Das Gesetz muß heilig und das Urtheil Gerecht seyn vor dem Gewissen.      
           
     

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