Kant: AA III, Kritik der reinen Vernunft ... , Seite 316

     
           
 

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Text (Kant):

 

 

 

 
  01 Sinnenwelt als dem Inbegriff aller Erscheinungen nicht abgesondert gedacht      
  02 werden. Also ist in der Welt selbst etwas Schlechthin=Nothwendiges      
  03 enthalten (es mag nun dieses die ganze Weltreihe selbst, oder ein Theil      
  04 derselben sein).      
           
  05
Anmerkung zur vierten Antinomie.
     
           
  06
I zur Thesis.
     
           
  07 Um das Dasein eines nothwendigen Wesens zu beweisen, liegt mir      
  08 hier ob, kein anderes als kosmologisches Argument zu brauchen, welches      
  09 nämlich von dem Bedingten in der Erscheinung zum Unbedingten im      
  10 Begriffe aufsteigt, indem man dieses als die nothwendige Bedingung der      
  11 absoluten Totalität der Reihe ansieht. Den Beweis aus der bloßen Idee      
  12 eines obersten aller Wesen überhaupt zu versuchen, gehört zu einem andern      
  13 Princip der Vernunft, und ein solcher wird daher besonders vorkommen      
  14 müssen.      
           
  15 Der reine kosmologische Beweis kann nun das Dasein eines nothwendigen      
  16 Wesens nicht anders darthun, als daß er es zugleich unausgemacht      
  17 lasse, ob dasselbe die Welt selbst, oder ein von ihr unterschiedenes      
  18 Ding sei. Denn um das letztere auszumitteln, dazu werden Grundsätze      
  19 erfordert, die nicht mehr kosmologisch sind und nicht in der Reihe der Erscheinungen      
  20 fortgehen, sondern Begriffe von zufälligen Wesen überhaupt      
  21 (so fern sie bloß als Gegenstände des Verstandes erwogen werden) und ein      
  22 Princip, solche mit einem nothwendigen Wesen durch bloße Begriffe zu      
  23 verknüpfen, welches alles für eine transscendente Philosophie gehört,      
  24 für welche hier noch nicht der Platz ist.      
           
  25 Wenn man aber einmal den Beweis kosmologisch anfängt, indem      
  26 man die Reihe von Erscheinungen und den Regressus in derselben nach      
  27 empirischen Gesetzen der Causalität zum Grunde legt: so kann man nachher      
  28 davon nicht abspringen und auf etwas übergehen, was gar nicht in      
  29 die Reihe als ein Glied gehört. Denn in eben derselben Bedeutung mu      
           
     

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