Kant: AA VI, Die Metaphysik der Sitten. ... , Seite 437

     
           
 

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Text (Kant):

 

 

 

 
  01 eigene Vernunft vorstellt, sondern unter einem Idol, was euer eigenes      
  02 Gemächsel ist.      
           
  03
Casuistische Fragen.
     
           
  04 Ist nicht in dem Menschen das Gefühl der Erhabenheit seiner Bestimmung,      
  05 d. i. die Gemüthserhebung ( elatio animi ) als Schätzung      
  06 seiner selbst, mit dem Eigendünkel ( arrogantia ), welcher der wahren      
  07 Demuth ( humilitas moralis ) gerade entgegengesetzt ist, zu nahe verwandt,      
  08 als daß zu jener aufzumuntern es rathsam wäre; selbst in Vergleichung      
  09 mit anderen Menschen, nicht blos mit dem Gesetz? oder würde diese Art      
  10 von Selbstverläugnung nicht vielmehr den Ausspruch Anderer bis zur      
  11 Geringschätzung unserer Person steigern und so der Pflicht (der Achtung)      
  12 gegen uns selbst zuwider sein? Das Bücken und Schmiegen vor einem      
  13 Menschen scheint in jedem Fall eines Menschen unwürdig zu sein.      
  14 Die vorzügliche Achtungsbezeigung in Worten und Manieren selbst      
  15 gegen einen nicht Gebietenden in der bürgerlichen Verfassung - die Reverenzen,      
  16 Verbeugungen (Complimente), höfische - den Unterschied der      
  17 Stände mit sorgfältiger Pünktlichkeit bezeichnende Phrasen, - welche von      
  18 der Höflichkeit (die auch sich gleich Achtenden nothwendig ist) ganz unterschieden      
  19 sind - das Du, Er, Ihr und Sie, oder Ew. Wohledlen, Hochedeln,      
  20 Hochedelgebornen, Wohlgebornen ( ohe, iam satis est !) in der Anrede      
  21 als in der Pedanterei die Deutschen unter allen Völkern der      
  22 Erde (die indische Kasten vielleicht ausgenommen) es am weitesten gebracht      
  23 haben, sind das nicht Beweise eines ausgebreiteten Hanges zur      
  24 Kriecherei unter Menschen? ( Hae nugae in seria ducunt. ) Wer sich aber      
  25 zum Wurm macht, kann nachher nicht klagen, daß er mit Füßen getreten      
  26 wird.      
           
  27
Des zweiten Hauptstücks
     
           
  28
Erster Abschnitt.
     
  29
Von der Pflicht des Menschen gegen sich selbst, als den
     
  30
angebornen Richter über sich selbst.
     
           
  31
§ 13.
     
           
  32 Ein jeder Pflichtbegriff enthält objective Nöthigung durchs Gesetz      
  33 (als moralischen, unsere Freiheit einschränkenden Imperativ) und gehört      
           
     

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